DigitalCity.Wien-Mondayblog: Woraus die Zukunft gemacht ist

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Oft wird mir in letzter Zeit die Frage gestellt, wie ich glaube, dass unsere „digital Zukunft“ aussehen wird. Natürlich kann man darüber nur spekulieren, aber eines ist meiner Meinung nach gewiss: dass es keine „digitale Zukunft“ sein wird, sondern eine „hybride Zukunft“. Damit meine ich, dass das Digitale und die uns bekannte physische, angreifbare Welt im Begriff sind, miteinander zu verschmelzen.

Allerdings ist noch lange nicht geklärt wie wir diese hybride Welt gestalten können und, noch viel wichtiger, wollen. Wie sehen die Computer der Zukunft aus? Wie sehen die hybriden Räume aus, in denen wir leben? Welche Materialien verwenden wir? Wie können die GestalterInnen des Digitalen mit denen der physischen Welt am besten zusammenarbeiten? Also bspw. DesignerInnen und ProgrammierInnen mit HandwerkerInnen? Schwierig ist das auch deshalb, weil wir uns vielleicht gar nicht vorstellen können, wie unsere hybride Zukunft aussehen könnte (Wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass das Smartphone unser Leben derart verändern würde?).

Als Forscherin im Bereich der Human-Computer Interaction (HCI) sind es solche Fragen, mit denen ich mich beschäftige. Wesentlich ist dabei vor allem, dass in der Technologieentwicklung der Mensch im Zentrum steht, mit seinen Wünschen, Bedürfnissen und Möglichkeiten.

Konkret heißt das, dass wir uns in diesem Forschungsfeld mit vielen Perspektiven gleichzeitig befassen. In interdisziplinären Teams erforschen wir so die Technologie immer in Abhängigkeit von denen, die sie nutzen. Ein Beispiel: Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojekts „re:tangent – Remote Tangible Engagements“ (gefördert vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF) untersuchen wir, ein Team an der Uni Salzburg gemeinsam mit KollegInnen aus Belgien, wie Beziehungen zwischen räumlich getrennten Großeltern und ihren Enkelkindern gestaltet werden können. Insbesondere widmen wir uns dabei „angreifbaren“ Materialien und Technologien zum Spielen über Distanz. Unser Ziel ist es, ein besonderes gemeinsames Erlebnis zu schaffen. Ein Beispiel: Spielen Großeltern mit ihren Enkelkindern ein Brettspiel, verwenden sie einen Würfel, Spielsteine, Karten, o.Ä. Nun könnte man diese in Form eines digitalen Spiels am Computer „nachmachen“. Allerdings fehlen möglicherweise dann genau jene Qualitäten im Spiel, die es spannend machen: zu sehen, wie Karten sortiert werden, zu wissen, wie sich der Würfel anfühlt und welche Geräusche er beim Werfen macht, usw. Die Erforschung eben solcher Materialien und Qualitäten für die Eignung in Fern-Beziehungen ist ein wesentliches Ziel dieses Forschungsprojekts.

Forschung in diesem Bereich heißt aber nicht nur, sich mit neuen Technologien, Materialien und Nutzungserlebnissen auseinanderzusetzen. Es heißt auch, sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Inklusion oder Technologie-Verweigerung zu beschäftigen. Auch deshalb ist es so wichtig, dass nicht nur verschiedene wissenschaftliche Disziplinen zusammenarbeiten, sondern auch Industrien oder zukünftige (Nicht-)NutzerInnen zu ForschungspartnerInnen werden.

Diversität ist, meiner Einschätzung nach, zentral für das Gelingen einer wünschenswerten hybriden Zukunft. Diversität bedeutet hier, dass Technologien für Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts oder Bildungsstandes geeignet sind; dass Technologien nicht ausschließend wirken, sondern zu den Menschen mit ihren individuellen und manchmal auch besonderen Anforderungen passen. Diversität bedeutet aber auch, dass diverse Menschen an der Erforschung und Entwicklung beteiligt sein müssen. Wir wissen beispielsweise, dass Technologien, wenn sie von Männern gestaltet werden, Männern auch eher zusagen. Der Ruf nach Frauen in technischen Ausbildungen, Berufen und Forschungsrichtungen ist somit eine besonders wichtige Ausprägung dessen, welchen ich entschieden unterstütze.

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Verena Fuchsberger ist Postdoc am Center for Human-Computer Interaction an der Universität Salzburg. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaft und der Psychologie an den Universitäten Salzburg und Innsbruck hat sie an der Angewandten Informatik in Salzburg promoviert. 2018 wurde sie von der Stadt Wien mit dem ersten Hedy Lamarr Preis für innovative Frauen in der IT ausgezeichnet.

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