Einheitliche Regeln für Europas digitale Infrastruktur: Warum wir in der EU jetzt handeln müssen

Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem neuen Gesetz für die Entwicklung von Cloud- und KI-Infrastruktur in Europa. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Nachhaltigkeit der EU im Bereich digitaler Rechenkapazitäten zu stärken – und den wachsenden Anforderungen durch KI und datenintensive Anwendungen gerecht zu werden.

Alle Infos hier: KI-Kontinent – neuer Rechtsakt über Cloud- und KI-Entwicklung

Ein zentraler Aspekt dieser Initiative: die heute stark fragmentierte Landschaft nationaler Regelungen zu vereinheitlichen. Unterschiedliche Standards und Genehmigungsprozesse bremsen nicht nur Innovationen, sondern erschweren auch Investitionen und den Aufbau dringend benötigter Rechenzentrums- und Cloud-Kapazitäten.

Die Stadt Wien misst diesem Thema eine hohe Bedeutung bei, wie Digitalisierungsstadträtin Barbara Novak hervorhebt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Weichen für ein digitales Europa zu stellen, das sowohl technologisch souverän als auch wirtschaftlich stark und sozial ausgewogen agiert. Wien engagiert sich aktiv, weil digitale Souveränität, Resilienz und Innovationsfähigkeit für uns von zentraler Bedeutung sind. Unser Ziel ist es, optimale Rahmenbedingungen zur Förderung von Innovation und Sicherheit zu schaffen.“
Aus diesem Grund hat die Stadt eine Stellungnahme abgegeben, um Erfahrungen aus der kommunalen Praxis in die europäische Gesetzgebung einzubringen und konstruktive Impulse für eine ausgewogene sowie praktikable Regelung zu geben.

Feedback from: Federal Province of Vienna / Bundesland Wien

Stellungnahme der Stadt Wien zusammengefasst

Die Stadt Wien macht sich in ihrer Stellungnahme für ein strenges, aber praxisnahes Regelwerk stark, das die derzeitige Zersplitterung nationaler Prüfverfahren ersetzt. Der Kern in fünf Punkten:

  1. Patchwork beenden, Tempo gewinnen
    Heute muss jeder Cloud-Anbieter dieselben Audits x-fach für verschiedene Behörden und Firmen wiederholen. Das kostet Geld, bremst Projekte und bietet Bürger:innen keinen Mehrwert. Ein EU-weit harmonisierter Rahmen würde diese Bremse lösen und überall die gleichen Schutzstandards garantieren.
  2. Eine EU-Cloud-Zertifizierungsbehörde
    Wien plädiert für ein einziges EU-Siegel, das zentrale Aspekte von DSGVO (Datenschutz) und NIS2 (Cybersicherheit) bündelt. „Certified once, accepted everywhere“: Wer das Label trägt, soll europaweit ohne Zusatzprüfungen in Vergabeverfahren antreten können – ein Vorteil für öffentliche Hand und Privatwirtschaft.
  3. Digitale Souveränität absichern
    Die zentrale Stelle könnte:

    • strikter über DSGVO-Kernfragen wie Datenexporte in Drittländer wachen und
    • technische + rechtliche Vorkehrungen verlangen, die unbefugten Zugriff durch Nicht-EU-Staaten verhindern (z. B. Pflicht zu Security-Updates, Entflechtung proprietärer Software).
  4. Vorbild FedRAMP & DoD
    Die USA zeigen mit FedRAMP und den darauf aufbauenden DoD-Standards, dass eine zivile Basiskontrolle plus branchenspezifische Zusatzauflagen Geld spart und selbst Hochsicherheits-Workloads abdeckt. Die EU kann dieses Zwei-Ebenen-Modell übernehmen.

Fazit
Ein einziges EU-Zertifikat mit echten Souveränitätsklauseln reduziert Bürokratie, erhöht die Sicherheit und stärkt Europas strategische Autonomie. Wien ist bereit, diesen Weg gemeinsam mit den EU-Institutionen zu gehen – ohne Schnörkel, aber mit klaren Zielen.

Doktoratskolleg „Digitaler Humanismus“

Die Stadt Wien und der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds  (WWTF) fördern die strukturierte und fächerübergreifende Ausbildung von Doktorand*innen für eine bessere digitale Zukunft. Mit dem Start des Doktoratskollegs „Digitaler Humanismus“ im Wintersemester 2024 setzte Wien ein starkes Zeichen für die interdisziplinäre Erforschung der Digitalisierung und digitaler Praktiken.

Das Doktoratskolleg ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Wien und des WWTF, über den das Programm auch gefördert wird. Die Spannweite ist einzigartig und ermöglicht eine umfassende Forschung: Die Universität Wien, die Technische Universität Wien (TU Wien) und die Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) sind mit Forscher*innen aus insgesamt 9 Fakultäten beziehungsweise Departments dabei.

Vienna Doctoral College on Digital Humanism – Doktoratskolleg „Digitaler Humanismus“

Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler:

Mit dem Doktoratskolleg investieren wir gezielt in die Zukunft der Forschung und in die Ausbildung von Wissenschaftler*innen, die die gesellschaftlichen Implikationen der Digitalisierung kritisch hinterfragen und konstruktive Vorschläge für die künftige Gestaltung digitaler Technologien machen. In Zusammenarbeit mit dem WWTF schaffen wir eine Plattform, die Wien als führenden Forschungsstandort für Digitalen Humanismus weiter etabliert. Unser Ziel ist es, technologische Entwicklungen im Dienst der Gesellschaft voranzutreiben. Das Doktoratskolleg ist mehr als ein reines Forschungsprogramm – es ist eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Interdisziplinäre Kooperation über 3 Wiener Universitäten hinweg

Das Doktoratskolleg wird in enger Kooperation der Universität Wien, der TU Wien und der WU Wien durchgeführt. Diese Zusammenarbeit vereint die Stärken der beteiligten Universitäten in verschiedenen Disziplinen und ermöglicht es den Doktorand*innen, von diesem breiten Spektrum zu profitieren. Informatiker*innen und Technik-Expert*innen werden mit Methoden arbeiten können, die von Beginn an die soziale und ethische Dimension in die Technologie einbauen, während Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen die technischen Aspekte digitaler Technologien in der Tiefe verstehen lernen, um so gemeinsam digitale Zukunft kritisch und konstruktiv mitgestalten zu können.

Ausbildung und internationale Vernetzung

Das Doktoratskolleg finanziert 20 Doktorand*innen. Diese schließen ihr reguläres Studium an den jeweiligen Universitäten ab und erhalten durch das Kolleg Unterstützung. Zusätzlich kommen noch Doktorand*innen hinzu, die bereits in von WWTF geförderten Projekten zum Digitalen Humanismus forschen. Umgesetzt werden spezielle Formate, die den fächerübergreifenden Austausch, die Karriereentwicklung und die internationale Vernetzung fördern. Dazu gehören unter anderem Sommerschulen, Workshops und Formate, die den internationalen wissenschaftlichen Diskurs beleben. Über die Förderung erhalten die Jungwissenschaftler*innen ergänzendes Wissen, Begegnungsräume und eine Anstellung als Doktorand*innen.

Gruppe von Menschen

Hintere Reihe von links nach rechts: Pia-Zoe Hahne (PhD candidate), Marta Sabou (scientific coordinator), Peter Knees (scientific coordinator), Hanna Kern (PhD candidate), Stefan Forster (PhD candidate), Sophie Lecheler (scientific coordinator), Anna Kuprian (programme coordinator)
Vordere Reihe von links nach rechts: Alicia Schwabenauer (PhD candidate), Lena Pohlmann (PhD candidate), Kaley Burg (PhD candidate), Shahrzad Shashaani (PhD candidate), Felicia Schmidt (PhD candidate)

Hintergrund: Was ist Digitaler Humanismus?

Der Digitale Humanismus stellt die kritische Frage, wie technologische Entwicklungen verantwortungsvoll gestaltet und in Einklang mit menschlichen Werten gebracht werden können. Die zunehmende Bedeutung von Themen wie Künstliche Intelligenz, Rechte und Rechtsstaat im digitalen Zeitalter, ethikbasierte Algorithmen, wirtschaftliche Monopolbildungen und soziale Gerechtigkeit machen es notwendig, technologische Innovationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und gegen technologischen Determinismus anzutreten. Das Doktoratskolleg soll junge Wissenschaftler*innen dazu befähigen, diese Herausforderungen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven zu bearbeiten und so einen Beitrag zur Gestaltung einer verantwortungsvollen digitalen Zukunft zu leisten.

Kommunikation im Spital erleichtern

In der Klinik Floridsdorf wurde ein innovatives System eingeführt, das Patient*innen mit Sprachbarrieren hilft, sich besser auszudrücken.

Sprachprobleme, die beispielsweise nach einem Schlaganfall oder aufgrund einer künstlichen Beatmung auftreten können, stellen im Klinikalltag eine erhebliche Herausforderung dar. Diese Kommunikationsschwierigkeiten sind nicht nur unangenehm für die Patient*innen, sondern können auch die medizinische Behandlung negativ beeinflussen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde ein System entwickelt, das auf dem Prinzip der unterstützten Kommunikation basiert und speziell an die Bedürfnisse des Klinikalltags angepasst wurde.

Mit diesem System können Patient*innen auf dem Bildschirm eines Handys oder Tablets aus einer Vielzahl von Symbolen wählen, die ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten darstellen. Dazu gehören Basissymbole für das allgemeine Wohlbefinden, spezifische Bedürfnisse sowie eine Schmerzskala. Die Symbole sind so strukturiert, dass sie eine präzise Kommunikation ermöglichen – etwa um auszudrücken, dass man durstig ist oder Schmerzen hat.

Innovative Lösung für Verständigungsbarrieren

Grundlage für die unterstützte Kommunikation in der Klinik Floridsdorf ist die Open Source-Software Metacom. Sie unterstützt derzeit 16 Sprachen und eine Vielzahl an Symbolen, die jederzeit erweitert werden können.

Die Web-Applikation ist plattformunabhängig und funktioniert auf Computern, Tablets und Smartphones. Die Web-App benötigt keine aktive Internetverbindung. Ein QR-Code ermöglicht es, die Anwendung auch nach dem Spitalsaufenthalt weiter zu nutzen, um Patient*innen zu Hause optimal zu unterstützen.

Wien Digital (MA 01) übernahm die technische Überprüfung der Software, koordinierte die Beschaffung der Geräte sowie die zentral gesteuerte Ausrollung und Installation der Software in der Klinik Floridsdorf. Dabei wurde besonders auf die Einhaltung von Datenschutz- und IT-Sicherheitsrichtlinien geachtet.

Zukunftsvision: Inklusive Kommunikation im Gesundheitswesen

Das Pilotprojekt auf der neurologischen Abteilung und in der Notaufnahme wurde Ende 2024 erfolgreich abgeschlossen. Die unterstützte Kommunikation wird nun flächendeckend in der Klinik Floridsdorf implementiert. Auch der Einsatz auf Monitoren des Patient*innen-Infotainments wird getestet, um die Kommunikation weiter zu verbessern. In Zukunft wird auch eine Ausrollung auf weitere Kliniken des Wiener Gesundheitsverbunds geprüft.

Wien im Rennen um AI-Gigafactory

In einem bedeutenden Schritt für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz in Europa haben Bundeskanzler Christian Stocker, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Bundesminister für Innovation und Infrastruktur Peter Hanke, Staatssekretär für Digitalisierung Alexander Pröll und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling gemeinsam die Bewerbung Wiens für eine der geplanten europäischen AI-Gigafactorys – Rechenzentren für Künstliche Intelligenz – unterzeichnet. Dieser Schulterschluss unterstreicht die gemeinsame Entschlossenheit und das Engagement, Österreich und Wien als zentralen Standort für technologische Innovationen zu positionieren.

4 Männer im Anzug, eine Frau im Hosenanzug

v. l. n. r.: Staatssekretär Pröll, Minister Hanke, Bürgermeister Ludwig, Bundeskanzler Stocker und Vizebürgermeisterin Emmerling

5 AI-Gigafactorys geplant

Die EU plant den Bau von bis zu 5 AI-Gigafactorys, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit und die digitale Souveränität Europas zu stärken. Die Hochleistungsinfrastruktur wird speziell für das Training, die Entwicklung und den Betrieb modernster KI-Modelle benötigt und muss höchsten Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit und Energieeffizienz entsprechen.

Durch die offizielle Interessensbekundung steigen Österreich und Wien ins Rennen um eines der 5 Rechenzentren ein. Ermöglicht wurde dieser Schritt durch die enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft, denn die Errichtung erfordert die Bildung eines starken und tragfähigen Konsortiums aus öffentlichen und privaten Partner*innen. Zudem haben führende in Österreich ansässige Technologie-Unternehmen ihre Unterstützung bekundet.

Die zu erwartenden Investitionen belaufen sich auf ein Gesamtvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro. Mindestens 65 Prozent sollen durch die Privatwirtschaft, bis zu 35 Prozent aus öffentlichen Mitteln getragen werden. Die Wiener Bewerbung basiert neben infrastrukturellen Voraussetzungen auf 2 Säulen:

  • einem umwelt- und klimagerechten Nachhaltigkeitskonzept,
  • einer sozial gerechten Form der Technologienutzung entsprechend dem „Digitalen Humanismus“ und
  • der außerordentlichen Drehscheibenfunktion Wiens innerhalb Europas.

Innovation mit Verantwortung für Mensch und Umwelt

Leistungsfähige Rechenzentren sind für das Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft mittlerweile unverzichtbar. Sie zählen zu den energieintensivsten Infrastrukturen, wofür die Stadt Wien und Wien Energie ein Energiekonzept erarbeitet haben. Dabei wird die Abwärme der Server des Rechenzentrums direkt in das bestehende Fernwärmenetz eingespeist und zur Beheizung von Wiener Haushalten genutzt.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Wiener Initiative ist auch das klare Bekenntnis zur sozialen Verantwortung, wie sie im „Wiener Manifest zum Digitalen Humanismus“ festgeschrieben ist. Die Grundsätze des Digitalen Humanismus stellen die Bedürfnisse des Menschen ins Zentrum des technologischen Fortschritts.

Bürgermeister Michael Ludwig betont:

Wien genießt weltweit einen hervorragenden Ruf für seine leistungsfähige Infrastruktur, hohe Lebensqualität und Innovationskraft. Eine AI-Gigafactory würde das bestehende Netzwerk ideal ergänzen und unseren Wirtschaftsstandort weiter stärken. Wir stehen für technologische Exzellenz, konsequente Klimapolitik und starken sozialen Zusammenhalt. Diese Stärken bringen wir gemeinsam mit dem Bund und engagierten Unternehmen in die Bewerbung ein und positionieren Wien so als verantwortungsbewussten, wettbewerbsfähigen Standort für Künstliche Intelligenz in Europa.

Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling hebt hervor:

Mit der Bewerbung um die AI-Gigafactory setzt Wien ein starkes Zeichen für digitale Souveränität und technologische Führungsrolle in Europa. Wir schaffen eine Infrastruktur, die nicht nur Rechenleistung auf Weltklasseniveau liefert, sondern zur Hochquellleitung des 21. Jahrhunderts wird – ein Motor für Innovation, wirtschaftlichen Aufschwung und Klimaschutz. Durch die intelligente Einbindung ins städtische Energiesystem und die Nutzung der Abwärme für die Versorgung Tausender Haushalte zeigt Wien, wie Digitalisierung und Dekarbonisierung Hand in Hand gehen.

Starke Allianz für eine digitale Zukunft

Der Schulterschluss von Stadt Wien, Bundesregierung und Unternehmen für diese Bewerbung ist in sehr kurzer Zeit zustande gekommen. Innerhalb weniger Tage haben maßgebliche Wiener Technologie-Unternehmen mit einem „Letter of Intent“ ihre Unterstützung für das Projekt bekundet.

Barbara Novak, Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales:

Das ist ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Wien und zeigt, dass die Stadt Wien, der Bund, die Wissenschaft und private Unternehmen gemeinsam an einem Strang ziehen – für Innovation und digitale Souveränität. Mit diesem Projekt heben wir das wirtschaftliche und wissenschaftliche Potential eines Giga-Rechenzentrums in Wien – und das löst Investitionen in Milliardenhöhe mit nachhaltigen Impulsen für Technologie- und Forschungsunternehmen aus, schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze und verspricht neue Kooperationschancen mit europäischen Innovationsclustern.

Als Standortagentur der Stadt Wien koordiniert die Wirtschaftsagentur Wien den Bewerbungsprozess und fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen öffentlicher Hand, Privatwirtschaft und Wissenschaft.

Der weitere Fahrplan

Die EU bewertet alle eingegangenen Bewerbungen und wird unter den verbleibenden Städten im 4. Quartal 2025 einen vertieften Auswahl- und Bewerbungsprozess durchführen. Geplanter Start für die AI-Gigafactory ist laut EU-Plan bereits 2028.

Zahlen und Fakten: EU-Initiative AI-Gigafactorys

  • Zielsetzung:
    • Europas Wettbewerbsfähigkeit steigern und als globalen AI-Kontinent etablieren
    • Ermöglichung gemeinschaftlicher, europäischer Entwicklung komplexer KI-Modelle
    • Aufbau von bis zu 5 AI-Gigafactorys in Europa als strategische Infrastruktur für Training, Entwicklung und Betrieb großer KI-Modelle
    • Fokus auf große KI-Multimodal-Modelle für den Einsatz in Medizin, Industrie und Forschung
  • Rahmenbedingungen:
    • Geplante Investitionshöhe: 20 Milliarden Euro für den Aufbau von bis zu 5 Giga-Rechenzentren
    • Über 100.000 spezialisierte KI-Prozessoren (GPUs) pro Gigafactory – ein Vielfaches heutiger europäischer Kapazitäten
    • Finanzierung über Public-Private-Partnership – eine Mischstruktur aus Fördermitteln, Beteiligungskapital und privaten Investitionen. Aufteilung mindestens 65 Prozent aus Privatwirtschaft, 35 Prozent von öffentlicher Hand (EU/national)
  • Strategischer Nutzen:
    • Fokus aus Mission-Critical KI-Anwendungen in Wissenschaft, Industrie, Gesundheit, Mobilität, Klima und anderen
    • Förderung vertrauenswürdiger, offener Innovation
    • Ein gleichberechtigter Zugang zur Rechenleistung auch für Startups, Forschungseinrichtungen und kleinere Unternehmen ist vorgesehen.
    • Datenschutz, Energieeffizienz und digitale Souveränität sind als Kriterien verbindlich vorgesehen.

Digitale Medien in den Kindergärten

Digitale Bildung zieht sich durch die gesamte Bildungslaufbahn. Der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung spielt eine zentrale Rolle, um Kinder frühzeitig und altersgerecht an den Umgang mit digitalen Technologien heranzuführen und digitale Kompetenzen zu erwerben. Die Kinder sollen zu kompetenten und kritischen Medien-Nutzer*innen heranwachsen, die digitale Inhalte aktiv mitgestalten.

Besuch aus Deutschland: Einblick in die Wiener Praxis

Eine Delegation aus Plauen (Deutschland) besuchte einen städtischen Kindergarten und erhielt Einblick, wie im pädagogischen Alltag digitale Medien eingesetzt werden und welche Bedeutung sie für die Bildung der Kinder haben.

Gruppe von Frauen

Besuch einer deutschen Delegation in einem Wiener Kindergarten

Spielerisch lernen mit digitalen Tools

Durch den Einsatz digitaler Medien im Kindergarten können Kinder spielerisch an Technologie herangeführt werden. Dies fördert ihre Neugier und Kreativität sowie ihre Fähigkeit, mit modernen Technologien umzugehen. Beispielsweise machen die Kinder mit dem Miniroboter BeeBot erste Erfahrungen mit Programmierung und Robotik.

Medienpädagogik

Medienpädagogik umfasst die gezielte und sinnvolle Integration von Technologie in den Bildungsprozess: Elementar-Pädagog*innen nutzen digitale Werkzeuge, wie zum Beispiel interaktive Lernspiele, digitale Geschichten oder kreative Apps, um Lerninhalte zu vermitteln und die Interaktion der Kinder zu fördern.

Digitalisierung als Chance für Inklusion

Digitale Werkzeuge fördern und erleichtern die Teilhabe aller Kinder am pädagogischen Alltag. Ein digitales Umfeld eröffnet Kindern neue Möglichkeiten, soziale Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu gestalten. Die digitalen Tools tragen dazu bei, ein inklusives Miteinander zu verwirklichen.

Fazit

Der Besuch der deutschen Delegation zeigt: Der Wiener Weg in der digitalen Elementarpädagogik ist ein Modell mit Vorbildcharakter, um Kinder bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten.

Intelligente Suche für Gesundheitswesen

Medizinisches Fachpersonal hat oft nur einige Minuten Zeit, um sich auf Patient*innen vorzubereiten. Dabei muss es sich schnell einen Überblick über die in der elektronischen Krankengeschichte abgelegten relevanten Dokumente verschaffen. Im Wiener Gesundheitsverbund liegen rund 80 Prozent aller Daten in den elektronischen Krankengeschichten als unstrukturierte Informationen vor und sind für Auswertungen nicht nutzbar.

Semantische Suche steigert Behandlungsqualität und Effizienz

Die „Semantische Suche“, ein gemeinsames Projekt von Wien Digital (MA01) und IBM, ermöglicht die strukturierte Abfrage wesentlicher medizinischer Informationen aus den unstrukturierten Textdokumenten. Dazu zählen zum Beispiel Diagnosen, Leistungen und verschriebene Medikamente.

Mit der Funktion „Patient Overview“ kann medizinisches Fachpersonal mit einem Klick relevante Befunde aus allen Abteilungen und Häusern gemeinsam durchsuchen, um beispielsweise Vorerkrankungen und Medikamente abzufragen. Die Funktion ist in allen Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes (WIGEV) und dem AKH verfügbar. Sie bietet die Möglichkeit, Diagnosen, Allergien oder Symptome effizient zu finden. Dadurch wird die Behandlungsqualität deutlich gesteigert. In anonymisierter Form sind die Daten zudem erstmals für Forschung, Klinik und Qualitätskontrolle nutzbar.

Vorteile für medizinisches Personal und Patient*innen

  • Bessere Übersichtlichkeit der Patient*innen-Daten
  • Effiziente Suche in komplexen Krankengeschichten
  • Anonymisierte Analysen zur Qualitätssicherung und Forschung
  • Optimierung von Behandlungspfaden zur Verbesserung des Leistungsangebots

Innovative Datenanalyse

Bei der Datenanalyse wurden insgesamt rund 40 Millionen Dokumente aus elektronischen Krankengeschichten ausgewertet, die täglich aktualisiert werden. Das Tool wurde in den Befundbrowser web.okra und das Informationssystem „AKIM“ integriert und ist ab sofort in den Kliniken des WIGEV und im AKH verfügbar.

Werner Nabicht, Abteilungsleiter von Wien Digital:

Das Projekt „Semantische Suche“ liefert einen wesentlichen Beitrag in der Behandlungsqualität und Effizienz und ist eine innovative Technologie, die den Mehrwert von Daten in der klinischen Praxis steigert.

 

„ID Austria“-App ersetzt „Digitales Amt“

Wien ist längst ein Vorreiter in Sachen digitale Verwaltung – mit Angeboten wie „Mein Wien“, digitalen Ausweisen, Online-Terminvereinbarungen und vielen weiteren E-Government-Services.

Seit 20. Juni 2025 ist dafür eine neue App im Einsatz: „ID Austria“ ersetzt die bisherige App „Digitales Amt“. Für Nutzer*innen ändert sich wenig, aber die Anwendung wird übersichtlicher, flexibler und bleibt der sichere Schlüssel zu zahlreichen digitalen Services der Stadt Wien.

Die neue App bringt eine modernisierte Oberfläche und einige technische Verbesserungen mit, ohne die gewohnten Funktionen zu verlieren: Anmelden und Signieren bleiben die zentralen Elemente. Damit ist der Zugang zu mehr als 500 digitalen Services aus Verwaltung und Wirtschaft weiterhin rund um die Uhr möglich, egal ob für das digitale Parkpickerl, Online-Amtswege oder den Login ins Stadt Wien-Konto.

Mehr Infos zur ID Austria

Umstellung erfolgt automatisch

Die bisherige App „Digitales Amt“ wird per Update automatisch durch ID Austria ersetzt. Wer automatische Updates am Smartphone aktiviert hat, muss nichts weiter tun. Der bestehende Anmeldestatus bleibt erhalten und es ist keine neue Registrierung notwendig.

Für die Nutzung städtischer Services wie „Mein Wien“, Parkpickerl oder Online-Anträge kann die neue App weiterhin wie gewohnt verwendet werden, mit dem Vorteil eines verbesserten Designs und erhöhter Barrierefreiheit.

Vorteile der neuen App auf einen Blick

  • Modernisierte Benutzeroberfläche optimiert für Smartphones und Tablets
  • Klarer Fokus auf Anmelden und Signieren
  • Neue Anmeldeoptionen, zum Beispiel Geräte-PIN neben biometrischen Verfahren
  • Push-Benachrichtigungen bei anstehenden Verlängerungen
  • Barriereärmeres Design auch für Menschen mit besonderen Bedürfnissen
  • Login ins Stadt Wien Konto weiterhin möglich
  • Zugriff auf städtische Services wie Parkpickerl, Mein Wien oder digitale Ausweise
  • Digitale Signatur für zahlreiche Amtswege
  • Technische Grundlage für die kommende EU-weite digitale Brieftasche

Die neue „ID Austria“-App bringt mehr Übersicht, mehr Komfort und bleibt auch in Wien das zentrale Werkzeug für viele digitale Services. Für alle Wiener*innen bedeutet das einen einfachen Zugang zu wichtigen Amtswegen ohne zusätzlichen Aufwand.

Förderung von digitalen Kompetenzen

Die erfolgreiche Bilanz des Projekts „Digi-Winner“ und die hohe Motivation der Wiener Arbeitnehmer*innen sind gute Gründe zur Fortführung der Förderung des digitalen Kompetenz-Erwerbs: Aus- und Weiterbildungen in diesem Bereich werden mit bis zu 5.000 Euro im Rahmen des Bildungskontos vom waff (Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds) unterstützt.

Das Bildungskonto für Digitalisierung und Klimaschutz – waff

„Digi-Winner“ – Förderprogramm von 2019 bis 2024

Mit dem „Digi-Winner“ förderten das waff-Beratungszentrum für Beruf und Weiterbildung und die Arbeiterkammer Wien von 2019 bis 2024 berufliche Aus- und Weiterbildungen zum Erwerb oder der Erweiterung digitaler Kompetenzen mit bis zu 5.000 Euro. Damit unterstützten sie übergeordnet das strategische Ziel der Stadt Wien, Digitalisierungshauptstadt Europas zu werden.

Knapp 7.200 Wiener*innen nutzten in den vergangenen 6 Jahren den „Digi-Winner“, wobei der Frauenanteil zuletzt bei 76 Prozent lag. Insbesondere die Personengruppe zwischen 25 und 45 Jahren profitierte vom Angebot des „Digi-Winners“ für die Erweiterung und Aktualisierung ihrer digitalen Kenntnisse. Dies verdeutlicht den hohen Bedarf an digitalem Wissen in Arbeitsprozessen.

Digitales Plakatstudio der Wienbibliothek

Die neue digitale Plattform plakatstudio.wienbibliothek.at eröffnet einen faszinierenden Zugang zu einer der größten Plakatsammlungen weltweit. Mit derzeit 150.000 digitalisierten Sujets aus 3 Jahrhunderten bietet die Wienbibliothek im Rathaus eine umfassende und durchsuchbare Sammlung.

Die digitale Kollektion spiegelt die Vielfalt der Plakatkunst wider und nutzt die Möglichkeiten moderner Technologien. Die Entwicklung dieser Plattform erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen der Wienbibliothek im Rathaus (MA 9), Wien Digital (MA 01) und der Fakultät für Informatik der TU Wien.

Innovative Suchtechnologien

Das Plakatstudio nutzt fortschrittliche KI-basierte Suchmethoden, die es den Benutzer*innen ermöglichen, Plakate nicht nur über traditionelle Textsuche, sondern auch durch innovative Ansätze wie Bild-, Farb- und Gesichtersuche zu finden. Diese Technologien basieren auf modernen Computer Vision-Methoden, die visuelle Ähnlichkeiten erkennen und relevante Inhalte automatisch identifizieren.

Die Bildsuche erlaubt es, eigene Bilder hochzuladen, um ähnliche Plakatdarstellungen zu finden. Dies eröffnet neue Wege der Interaktion und Erkundung, indem Benutzer*innen visuelle Verbindungen zwischen verschiedenen Plakaten herstellen können. Die Gesichtersuche erkennt Gesichter mit ähnlichen Posen oder Ausdrücken, während die Farbsuche eine Auswahl von Plakaten basierend auf der dominanten Farbgebung ermöglicht. Diese Funktionen erweitern die Möglichkeiten der Recherche erheblich und machen die Erkundung der Sammlung zu einem interaktiven Erlebnis.

Zusätzlich können Benutzer*innen die Suche durch Filteroptionen nach Jahreszahl, Künstler*in oder Ort verfeinern, was eine zielgenaue Eingrenzung der Suchergebnisse ermöglicht. Die Plattform erfordert keine Anmeldung, bietet jedoch die Möglichkeit, über das eigene Stadt Wien-Konto persönliche Galerien zu erstellen und zu teilen. Dies fördert nicht nur die individuelle Auseinandersetzung mit der Sammlung, sondern auch den Austausch innerhalb der Community.

Sammlung umfasst 450.000 Plakate

Die Wienbibliothek im Rathaus bewahrt eine beeindruckende Sammlung von über 450.000 Plakaten, die systematisch seit 1923 gesammelt werden. Die Sammlung umfasst nicht nur politische Plakate, sondern auch Produktwerbung, Filmplakate und vieles mehr. Dies ermöglicht einen tiefen Einblick in die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung Wiens. Die ältesten Plakate stammen aus dem 18. Jahrhundert und dokumentieren bedeutende Ereignisse der Stadtgeschichte.

Die Digitalisierung dieser Bestände ist ein entscheidender Schritt, um das kulturelle Erbe Wiens für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Technologie-Fortschritte durch Forschung

Österreichs Forschungslandschaft setzte 2024 mit wegweisenden Projekten und Auszeichnungen neue Maßstäbe.

Ob im Bereich der Hochwasserprävention, Cybersicherheit, nachhaltiger Infrastruktur oder industriellen Fertigung – Spitzenforschung leistet einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftssicherung.

Hochwasserschutz durch VR-Simulation

Das VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung entwickelt innovative Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie den Klimawandel. Mit seiner Hochwassersimulations-Software können in Sekundenschnelle Prognosen und Präventionsmaßnahmen überprüft werden. Diese wegweisende Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem GRAWE Award 2024 und dem österreichischen Staatspreis für Klimawandelanpassung.

Lösungen für mehr Cybersicherheit

Neue Maßstäbe setzt auch SBA Research im Bereich Cybersicherheit. Als größtes österreichisches Forschungszentrum für Informationssicherheit sorgt es dafür, dass IT-Infrastrukturen und Daten optimal geschützt sind. In Kooperation mit Universitäten und Unternehmen entstehen Lösungen, die direkt in den Unternehmensalltag integriert werden. Eine Erfolgsgeschichte zeigt die praxisnahe Anwendung dieser Forschungsergebnisse.

Digitalisierung der Bahninfrastruktur

Die ÖBB treiben mit Rail4Future die Digitalisierung im Bahnwesen voran. Das virtuelle Modell der Eisenbahninfrastruktur Österreichs ermöglicht durch Sensoren und Datenanalysen präzise Wartungsprognosen für Gleise und Brücken. Dadurch können notwendige Reparaturen gezielt und frühzeitig durchgeführt werden, um Störungen zu vermeiden.

3D-Druck von Leichtmetallbauteilen

Auch die industrielle Fertigung erlebt eine Revolution durch We3D. Das COMET-Projekt des AIT Austrian Institute Of Technology erforscht neue Technologien für den 3D-Druck von Leichtmetallbauteilen und wird im Herbst 2024 abgeschlossen. Dieses Vorhaben könnte die Fertigungsindustrie nachhaltig verändern.

Diese beeindruckenden Forschungsinitiativen zeigen, wie Österreichs Wissenschaft und Technologie aktiv zur Gestaltung einer sicheren, nachhaltigen und innovativen Zukunft beitragen.