Online-Sammlung Jüdisches Museum Wien

Das erste Jüdische Museum der Welt wurde 1895 in Wien eröffnet. Im November 2024 ging seine Nachfolgeinstitution – das Jüdische Museum Wien, ein Unternehmen der Wien Holding – mit Teilen der eigenen Sammlung online. Zu Beginn waren rund 3.000 Objekte zugänglich. Viele davon stammen aus dem historischen Bestand dieses ersten Museums.

Historische Bestände erstmals online zugänglich

Etwa 2 Drittel der Objekte des 1938 vom NS-Regime geschlossenen Hauses haben die Zeit des Nationalsozialismus überdauert und befinden sich heute im Jüdischen Museum Wien. Diese Gegenstände sind von unschätzbarem Wert für das Museum und bieten einen aufschlussreichen Einblick in die Sammlungspraxis vor über 100 Jahren. Sie zeigen, wie jüdische Geschichte damals dokumentiert und präsentiert wurde. In der Online Collection werden diese Objekte erstmals mit ihren Geschichten zugänglich gemacht. Besonders spannend ist ihre Verknüpfung mit der historischen Fotodokumentation und den Einträgen aus dem Inventarbuch.

Der zweite wichtige Bestand, der online gestellt wurde, ist ein Teil der umfangreichen Textilsammlung. Die Inschriften auf synagogalen Textilien erzählen von ihren Stifter*innen, ihrer Herkunft und ihren Lebenswelten und eröffnen damit Perspektiven auf die jüdische Geschichte Wiens und darüber hinaus.

Im April 2025 folgten 3-dimensionale Judaica (Ritualobjekte) aus den Sammlungen. Dieser Bestand zählt hinsichtlich seiner Qualität und Quantität europaweit zu den herausragendsten. Viele dieser Objekte lassen sich nicht nur kunsthistorisch einordnen. Sie geben auch Hinweise auf die Menschen, die sie in Auftrag gaben, herstellten oder verwendeten sowie auf die Lebensumstände, unter denen sie in Wien lebten.

Einblicke in jüdische Lebenswelten und Sammlungen

„Jüdische Geschichte sichtbar machen“ – so lautet das Leitmotiv der Online Collection. Im Zentrum stehen die Geschichten hinter den Objekten. Gerade Judaica bergen einen riesigen Wissensschatz: Wer waren ihre Besitzer*innen? Woher kamen sie? Wie haben sie gelebt und was ist aus ihnen geworden? Die digitalen Einträge verbinden Objektbeschreibungen mit biografischen Spuren und machen so Zusammenhänge nachvollziehbar.

Ergänzt wird das Angebot durch eigens entwickelte digitale Touren.  Sie bieten unterschiedliche Zugänge und weitere Vertiefungen zur Sammlung, etwa zu den Frauen hinter dem ersten Jüdischen Museum oder zu ausgewählten Beständen wie „Wandern durch Wien mit Emil Singer“. Darüber hinaus werden regelmäßig einzelne Objekte in den Fokus genommen und nähergehend vorgestellt, wie zum Beispiel eine Gedenkmünze zur Geschichte des Esperanto. Damit kommt Bewegung in die Online Collection und es wird das vielfältige Leben von Jüd*innen in Wien und in Österreich aufgezeigt.

Digitale Sammlung als wachsendes Wissensprojekt

Die Online Collection ist als wachsendes Projekt angelegt: Nach und nach werden weitere Bestände zugänglich gemacht. Bis April 2026 kamen etwa 1.032 Objekte mit einem Fokus auf Ritualobjekte und Archivalien zu Synagogen Wiens und Österreich-Ungarns hinzu. Seitdem ist die Online Collection auch auf Englisch verfügbar und Videos können eingebettet werden.

Jewish Museum Vienna, Collection – Englisch

Für die Nutzer*innen und die Forschung im Hintergrund gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Neue Touren und seit April 2026 auch erste Online-Ausstellungen erzählen weitere, oftmals unbekannte und ungeahnte Wiener Geschichten.

Beiträge mit Videos

Beispiele für Online-Ausstellungen