Interview-Serie: BRISE Vienna – Klemens Himpele zur Digitalen Transformation in der Gesellschaft

Digitalisierung stellt auf allen Ebenen den bedeutsamsten Faktor des allgegenwärtigen Strukturwandels unserer Gesellschaft und der Stadt Wien dar. IKT-Chefstratege der Stadt Wien, Klemens Himpele, beleuchtet im Interview die Kernfragen rund um die Veränderungen, die auf Stadt und die BürgerInnen zukommen und erläutert, wie der Wandlungsprozess gemeistert werden kann.

Porträt eines Mannes

Klemens Himpele, IKT-Chefstratege der Stadt Wien

Was bedeutet Digitalisierung im Alltag?

Der Digitalisierungsprozess bringt massive Veränderungen für die Menschen mit sich. Der technologische Fortschritt ist Basis unseres Wohlstands. Die Veränderungen im Arbeits- und Privatleben lösen aber auch Bedenken aus. Manche Elemente der digitalen Transformation werden schneller angenommen, weil sie das Leben deutlich erleichtern: das Kontakthalten via Messenger-Dienste etwa, das Online-Banking, der Kauf von Fahr- oder Eintrittskarten oder allgemein das Shoppen im Internet. Andere Bereiche verlangen tiefgreifendere Umstellungen im gewohnten Verhalten, den Umbau von altgedienten Systemen und etablierten Organisationen sowie ein profundes Umdenken und Öffnen für neue Möglichkeiten.

Was bringt die Digitalisierung – und worauf muss man besonders achten?

Die Digitalisierung hat neue Werkzeuge hervorgebracht, die enormes Potentiale haben: Vieles ist rund um die Uhr und dezentral verfügbar, wie können Informationen schneller und besser zugänglich gestalten, die Effizienz bei vielen Tätigkeiten steigt, Wege können gespart, Erledigungen nebenbei gemacht werden. Es ist an uns, diese Werkzeuge richtige einzusetzen – das ist aber keine technologische Frage, sondern eine gesellschaftliche!

Durch neue Informations- und Kommunikationstechniken lassen sich viele Dinge besser organisieren: Wir müssen für eine Besprechung nicht am gleichen Ort sein, zum Fahrkartenkauf nicht an den Bahnhof fahren, für eine Überweisung nicht die Bank aufsuchen und eben für viele Behördengänge nicht mehr „aufs Amt“ gehen. In der Medizin und in anderen Bereichen sind enorme Verbesserungen möglich. Viele Tätigkeiten, die es heute noch gibt, können durch den Einsatz von Technologien sinnvoll ergänzt werden. Gleichzeitig entstehen neue Tätigkeiten, die es bisher nicht gegeben hat. Das schafft ökonomische Freiräume, die wir als Gesellschaft nutzen und Gestalten können.

Es ist relativ klar, dass die Digitalisierung auf lange Frist ein deutliches Mehr an Wohlstand ermöglichen wird. Kurzfristig sind allerdings zahlreiche Umbrüche zu gestalten und Gefahren – etwa der Cybersicherheit – zu lösen. Wenn also davon gesprochen wird, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen dann ist damit gemeint, dass die Technologien zur Mehrung unseres Wohlbefindens und Nutzen eingesetzt werden sollen – und nicht als Bedrohung.

Bei jeder Veränderung müssen wir uns immer fragen, was die Menschen wirklich von uns brauchen und wie wir sie am besten erreichen. Dafür gibt es unterschiedliche Wege – ein immer stärker genutzter Weg ist der digitale. Diesem Wunsch kommen wir gerne nach, dürfen aber auch all jene nicht vergessen, die die Leistungen der Stadt weiter wie bisher –  also analog –  in Anspruch nehmen wollen. Daher setzen wir auch bei der Digitalisierung auf die Sicherstellung eines weiterhin breiten und für alle offenen, inklusiven Zugang zu den Dienstleistungen der Stadt.

Können Sie ein konkretes Beispiel für digitale Transformation der Stadt Wien beschreiben?

Ein gutes Beispiel ist das Forschungs- und Entwicklungsprojekt BRISE-Vienna, denn es bringt die eben geschilderten zentralen Aspekte der digitalen Transformation wie ein Brennglas auf den Punkt. Mit dem europäischen Leuchtturmprojekt zeigt die Stadt Wien, wie die Verwaltung der Zukunft aussehen und wie Mensch und System von einem digitalen Transformationsprozesses profitieren können. Am Beginn lag der Schwerpunkt auf einer Vision: Wie kann mit Hilfe digitaler Werkzeuge und der Nutzung dieser ein möglichst vollständiger digitaler Prozess geschaffen werden, in dem die FachexpertInnen eine größtmögliche Unterstützung in der Prüfung und Entscheidung bekommt. Durch die durchgängige Digitalisierung im Bauverfahren gewinnen alle: MitarbeiterInnen erhalten wertvolle Zeit für komplexe Aufgaben, Einreichende erleben schnellere, transparentere Verfahren und für BürgerInnen, etwa AnrainerInnen, werden Bauvorhaben nachvollziehbarer.

Welche Erwartung haben Sie am Weg zur Digitalisierungshauptstadt an die Dienststellen?

Die digitale Transformation schaffen wir nur in einer gemeinsamen Anstrengung. Nicht die Technik soll die Lösungen vorgeben, sondern der Bedarf und der Nutzen der Dienststelle und deren Produkte für die Gesellschaft definieren die Anforderungen, die durch den Einsatz von Technik realisiert werden. Aufgabenkritik und ein Hinterfragen bestehender Abläufe sind ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Umsetzung. Dafür ist das Wissen und die Erfahrung unserer MitarbeiterInnen eine wichtige und wertvolle Ressource, die den Transformationsprozess erst ermöglicht und erfolgreich machen wird.

Mehr zu BRISE-Vienna: https://digitales.wien.gv.at/projekt/brisevienna/

Vielen Dank an den Interviewpartner Klemens Himpele für die aufschlussreichen Antworten und damit verbundenen Einblicke in die moderne Zukunft der Verwaltung.